16 €, 4 Stunden, 3 Fundstücke: Unser IFA-Check
Blog von Johann, Theodor und Simon zur IFA
Am Montag, den 7.9.2026, waren wir mit unserem Digitale-Welten-Kurs auf der IFA in Berlin. Dank Klassenticket haben wir deutlich weniger als die normalen 16 € gezahlt. Trotzdem stellen wir uns die Frage: Lohnt sich die Messe auch zum vollen Preis? Die jährlich veranstaltete Messe (Innovation for All) in Berlin bot auch dieses Mal eine breite Auswahl an eigenartigen Ideen. Der Schwerpunkt war dieses Jahr besonders auf Robotik und künstliche Intelligenz gerichtet. Wie auch in früheren Jahren bot die Ausstellung ein Meer an neuen Ideen und Innovationen für Haushalte. So reichten die Exponate von fußballspielenden Robotern bis zu schwenkbaren Öfen und noch viel saugstärkeren Staubsaugern. Im Bereich der Haushaltsgeräte waren bekannte Firmen wie Siemens, Miele oder AEG sehr präsent. Wirft man seinen Blick in Richtung humanoider Roboter und innovativer KI-Systeme, wird man feststellen, dass dort hauptsächlich, eher weniger bekannte, chinesische Fabrikanten vertreten sind. Wir haben uns durch jede Menge kuriose Produkte gewühlt und stellen euch hier unsere drei spannendsten Fundstücke vor.
Daraus wird unsere Leitfrage für diesen Beitrag: Lohnt sich die IFA zum vollen Preis von 16 Euro? Unsere These vorweg: Wer sich für Robotik interessiert, kommt auf seine Kosten. Wer nur mal schauen will, eher nicht.
Unsere drei Fundstücke im Überblick
Statt ein Lieblingsprodukt zu küren, nehmen wir drei sehr verschiedene Beispiele und prüfen an jedem: Was kann das Ding wirklich, wem bringt es was, und wäre es uns 16 Euro wert?
1. Der Feuerwehr-Roboter: 100 Kilo auf vier Beinen
Die Firma ASTRALL Dynamics entwickelte einen vierbeinigen Roboter mit einem sehr differenzierten Anwendungsfeld. Das Gerät ist in der Lage, sehr hohe Lasten oder spezialisierte Aufsätze auf seinem Rücken zu transportieren. So erlaubt es Feuerwehrkräften, einen Löschschlauch oder Ähnliches am Roboter zu befestigen, um in unzugängliches Terrain einzudringen. Laut Aussage des Herstellers kann das Außenmaterial des Geräts ersetzt werden, was Nutzung bei Temperaturen über 300°C ermöglicht. Ob das mit den 300 Grad stimmt, konnten wir vor Ort nicht prüfen. Das ist eine reine Herstellerangabe. Nach Einsatz im Feuer kann es innerhalb von Minuten zu einem Transportgerät für schwere Lasten (weit über 100kg) umfunktioniert werden. Die Repräsentanten des Unternehmens geben an bereits Abnehmer bei der Feuerwehr und dem südchinesischen Stromnetz gefunden zu haben. Zum Einsatz im Stromnetz hat man uns immerhin ein Demovideo gezeigt, auf dem der Roboter bei der Arbeit zu sehen ist. Das Video kommt allerdings vom Hersteller selbst, also bleibt es eine Herstellerquelle. Technisch spannend finden wir den Wechsel zwischen Löschaufsatz und Transport. Wirtschaftlich bleibt aber offen, was so ein Gerät kostet und wer das außer Feuerwehr und Stromnetz bezahlen soll.
2. TransitX X1: Treppensteigen auf Knopfdruck?
TransitX stellte auf der diesjährigen IFA ein „Mobility Exoskeleton“ vor, das mithilfe von Gurten an den Beinen und der Hüfte einer Person befestigt werden kann. Es verfügt über eine Vielzahl von Servos und Sensoren, die Beinbewegungen erleichtern sollen. So können Personen mit Gehbeeinträchtigungen wieder lange Strecken zu Fuß zurücklegen oder Treppen steigen. Wir durften die Gehhilfe sogar selbst ausprobieren. Das war allerdings nur ein kurzer Test am Stand, kein Alltagstest. In unseren Tests funktionierte das Produkt wie erwartet. Die Firma verfügt über eine Vielzahl an Produkten, was darauf hinweist, dass sie bereits Abnehmer haben. Mehr konnten wir über bisherige Verkäufe jedoch nicht erfahren. Für Menschen mit Gehproblemen kann so ein Gerät im Alltag wirklich etwas ändern. Ob es im echten Leben so gut klappt wie am Stand, wissen wir aber nicht.
3. Mieles Schwenkküche: Genial oder überflüssig?
Miele stellte dieses Jahr einen Schrank vor, der mit einer schwenkbaren Mikrowelle und einem schwenkbaren Ofen ausgestattet ist. Der höhenverstellbare Tisch verfügt unter anderem auch über einen eingebauten Induktionsherd. So bleiben die Küchengeräte, bis sie benötigt werden, versteckt. Laut Herstelleraussage eignet sich dieses Produkt besonders für kleine Wohnungen, in denen Räume multifunktional sind (Küche und Wohnzimmer in einem). Verkaufszahlen sind noch nicht vorhanden, da sich bei diesem Produkt noch um einen Prototypen handelt. Wie teuer das mal werden soll, hat man uns nicht gesagt. Für kleine Wohnungen klingt das praktisch. Aber das Schwenken braucht mehr Platz als ein fester Einbau, und als Prototyp ist das Ganze vom normalen Küchenpreis weit weg.
Interview
Zwischen Feuerwehr-Roboter und Prospektstapeln haben wir den Hersteller kurz zum Interview gekrallt. Hier kommen die drei wichtigsten Antworten, übersetzt und gekürzt.
Wie hoch ist die maximale Betriebstemperatur?
Das Außenmaterial des Roboters lässt sich austauschen. Mit dem passenden Material hält er Temperaturen von bis zu 300°C aus.
Haben Sie bereits Abnehmer gefunden?
Unsere Geräte werden bereits von mehreren Feuerwehrstellen und dem südchinesischen Stromnetz genutzt.
Wie helfen Ihre Roboter dort?
Bei der Feuerwehr bieten unsere Geräte einen sicheren Weg, um brennende Gebäude zu sichern. Im Stromnetz werden unsere Geräte zur Systemüberwachung genutzt. Dies spart viele Arbeitskräfte.
Ehrlich gesagt war unser Interview ziemlich kurz. Am Stand war viel los und wir haben nur die Standardfragen stellen können. Kritische Nachfragen, zum Beispiel zu den Grenzen des Roboters, sind dabei auf der Strecke geblieben. Das fehlt uns jetzt in der Auswertung. Unser, ca. 4-stündiger, Rundgang durch die IFA war kurze Zeit später auch schon vorbei. Auch dieses Jahr enttäuschte uns die Messe nicht.
Fazit
Wir empfanden nicht jedes Produkt als eine Aufwertung unserer Welt. Ein Beispiel sind die schwenkbaren Küchengeräte von Miele. Diese sind nicht besonders gut für den Massenverkauf geeignet, da sie, für die meisten Individuen, unnötige Funktionen aufweisen. Besonders bei den Geräten von Miele ist leider das Problem, dass das gesamte Produkt von diesem einen Feature ausgemacht ist. Das Schwenken der Küchengeräte nimmt mehr Platz in Anspruch als ein fest verbautes Exemplar. Zu berücksichtigen ist auch, dass viele der vorgestellten Produkte noch Prototypen, die, in Serienproduktion, für die meisten potenziellen Kunden zu teuer werden. Neue Technologien sind, wie schon häufig gesehen, unter anderem auch anfällig für technische Fehlfunktionen, was bei Entwicklungen, wie zum Beispiel bei dem Löschroboter von Astrall, zu großen Schwierigkeiten führen könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele der auf der IFA vorgestellten Technologien sehr interessant und nützlich für die Zukunft sein könnten. Gute Beispiele bilden ferngesteuerte Löschroboter und KI-gestützte Gehhilfen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass diese Technologien noch jung sind und wahrscheinlich noch einige Zeit benötigen, um alle versprochene Features zu erfüllen.
Antwort auf unsere Leitfrage: Zum vollen Preis von 16 Euro lohnt sich die IFA aus unserer Sicht nur, wenn man sich wirklich für Technik interessiert. Mit Klassenticket würden wir wieder hingehen. Für unseren Alltag heißt das: Solche Roboter und Hilfen werden erst interessant, wenn sie billiger und ausgereifter sind. Bis dahin bleibt die IFA eher ein Schaufenster als ein Laden. Offen geblieben: Die 300 Grad und die 100 Kilo konnten wir nicht nachprüfen, das sind reine Herstelleraussagen. Zum Stromnetz-Einsatz gibt es immerhin das Demovideo, aber eine unabhängige Quelle hatten wir für nichts davon.
Quellen:
- Aussagen der Hersteller/Repräsentanten
- Flyer von Astrall Dynamics
- Demovideo von Astrall Dynamics